Ein Rundling in luftiger Höhe

Kenners Baumhaus-Hotel in Dübbekold wird eröffnet

bv Dübbekold. Es ist der kleinste Rundling des Wendlands, und das noch in luftiger Höhe: Verwundert mag sich mancher die Augen reiben, der im verwunschenen Dübbekold in der Göhrde an Kenners LandLust vorbeifährt, dem Bio-Hotel von Barbara und Kenny Kenner. In dem Wäldchen rechts neben dem Hotel ist eine Reihe von Baumhäusern entstanden, die in der Sonne leuchten. Der Ausblick aus den gemütlichen Zimmern, die an sehr komfortable Tiny-Häuser erinnern: unbezahlbar. Kenny Kenner fühlt sich auf der Empore des kleinen hohen Rundlings „wie auf einem Elfenpfad“. Und tatsächlich kann man sich ein wenig ins Auenland der Hobbits versetzt fühlen – die intakte Natur der Göhrde strahlt Frieden aus, die Vögel zwitschern lauthals, das intensive Grün der sonnenbeschienenen Blätter und das frische Holz tauchen alles in märchenhafte Farben.

Das Baumhaus-Hotel, eine Erweiterung von Kenners LandLust, katapultiert den Standort in eine andere touristische Liga. Architektonisch reizvoll, fügen sich die außergewöhnlichen Bauten harmonisch in die Umgebung ein. In zwölf Elementen sind acht Doppelzimmer und zwei Suiten untergebracht, jeweils mit eigenen Bädern. Das Innenleben ist – wie bei Kenners gewohnt – ökologisch durchdacht, wegweisend gestaltet und innovativ eingerichtet.

Einen Baumhaus-Rundling gibt es in der Region noch nicht – und deshalb wurde das Projekt auch großzügig von der EU gefördert. „Gott sei Dank wurde auch eine Nachförderdung genehmigt – sonst hätten wir das nicht stemmen können“, zeigen sich Kenners dankbar angesichts der Gesamtsumme von 1,83 Millionen Euro. Die EU hat 60 Prozent davon gefördert: 1,1 Millionen Euro.

Der Weg bis zur Fertigstellung sei kurvig bis steinig gewesen, wie die Hoteliers mit ihrem Architekten Christoph Luther-Mosebach im Interview berichten. Ein Problem war, überhaupt Handwerker zu bekommen.

Ein weiteres der vielen Probleme, die Corona während der Planungsphase verursacht habe: „Wir mussten das Holz bestellen, als der Preis dafür am höchsten war. Es ging nicht anders.“

Am Ende hat alles geklappt, und nun ist es endlich so weit: Nach jahrelanger Planungs- und neunmonatiger Bauphase wird die aufsehenerregende Erweiterung des Hotels kommende Woche durch Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer eingeweiht. „Immerhin ist es eines der größten Landschaftswerteprojekte der Region geworden“, freuen sich Kenners. „Wir haben ein Baumhaus-Dorf gebaut: nachhaltig, ökologisch durchdacht, architektonisch anspruchsvoll und absolut einmalig. Das gibt es kein zweites Mal“, betonen die Bio-Hoteliers.

Architekt Christoph Luther-Mosebach, der mit Nichte Lotte Luther-Mosebach für Planung und Ausführung zeichnete, weist auf zwei Besonderheiten hin: Zum einen ist es die spektakuläre und attraktive Dachkonstruktion „in Form von hyperbolischen Paraboloidschalen“, kurz Hyparschale genannt, die eine tanzende Bewegung zum Luftraum mit den Baumkronen beschreibt. Zum anderen sind es die Schraubfundamente, mit denen eine umsichtige Gründung im sensiblen Waldboden möglich ist.

Besonders stolz sind die Bauherren und der Architekt, dass der Wald komplett stehen bleiben konnte. Die Baumhäuser wurden vor Ort zwischen die Bäume komponiert. Die Bäume dienen als natürliche Schattenspender und können einfach weiterwachsen. Sogar eine Eiche, die vor 20 Jahren umfiel, liegt immer noch dort und wurde in den Bau integriert.

Die Gäste erwartet ein Baumhaus-Dorf, welches mehr ist als nur ein Hotel. Denn gleichzeitig ist es ein „Hotel als Lernort“, was ausschlaggebend für die EU-Förderung war. „2018 haben wir das Projekt ,Das Hotel als Lernort‘ mit dem Programm ‚Landschaftswerte’ vor Ort verwirklicht. Dazu haben wir in unseren Hotelzimmern Informationen versteckt, die unsere Gäste während ihres Aufenthaltes studieren können. Da das gut ankam, beantragten wir 2019 den Bau von nachhaltigen Baumhäusern, die ebenfalls mit Informationen zu Klima und Wald ausgestattet werden sollten“, berichten Kenners. Neben den Baumhäusern konnte auch eine 60 Quadratmeter große Wolf-Info-Station Göhrde fertiggestellt werden. Strömungsforscher Dr. Erich Bäuerle hat im Außenbereich faszinierende Wasserinstallationen beigesteuert. „Wir freuen uns sehr, dass wir das Projekt trotz Corona und diverser Krisen zum Abschluss bringen konnten“, betonen Barbara und Kenny Kenner: „Ganz wichtig ist uns zu zeigen, wie unsere Region in unser Projekt eingebunden wurde und was wir gemeinsam geschafft haben. Denn wenn wir regionale Strukturen entwickeln, kann Nachhaltigkeit zur Regel werden und nicht zur Ausnahme.“

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