Kulturelle Bedeutungfür ganz Europa

Bau am Dömitzer Kommandantenhaus beginnt

rs Dömitz. Die pentagonale Zitadelle Dömitz ist ein bemerkenswerter Bau: Errichtet zwischen 1559 und 1565 – in Teilen auf Mauern einer mittelalterlichen Befestigung –, ist es der einzig vollständig erhaltene Fortifikationsbau der Renaissance zwischen Spandau und Jülich in Norddeutschland. Die gesamte Altstadt ist als Idealbild der Renaissance als Festung errichtet worden. „Nationale, ja europäische kulturelle Bedeutung“ attestierte der Diplom-Ingenieur Jörg Möser der von italienischen Baumeistern errichteten Zitadelle, für deren Erhalt und Umgestaltung er verantwortlich ist. Im Kern des absolut symmetrischen Fünfecks befindet sich das sogenannte Kommandantenhaus, das ursprünglich aus zwei Gebäuden bestand, deren Zwischenraum später überbaut wurde. Dieses Gebäude erfülle die Ansprüche eines „pallazzo in fortezza“, eines Repräsentationsbaus inmitten der wehrhaften Anlage. Darin befand sich über Jahrzehnte das Heimatmuseum der Stadt. Seit ab 2006 schwere bauliche Schäden daran festgestellt wurden, ist es seit Jahren für die Öffentlichkeit gesperrt. Es regnet durch, Risse machen sich allenthalben bemerkbar, Putz rieselt von Wänden und Decken. 2015 hatte man Kosten in Höhe von 5,7 Millionen Euro für die Wiederherstellung ermittelt, nun sind es allein für die rohbauartige Notsicherung 4,5 bis 5 Millionen Euro. Um das Haus komplett zeitgemäß und dauerhaft herzurichten, seien wohl 18 Millionen Euro notwendig, berichtet Bürgermeister Reinhold Suhrau (UWG). 2019 hatte das Land der Stadt, die die Zitadelle besitzt, zwar eine 90-prozentige Förderung zugesagt, doch die verbleibenden 2 Millionen Euro konnte die Stadt nicht stemmen.

Nun kommt aber Bewegung in die Sanierung des Kommandantenhauses, das zukünftig auf etwa 1300 Qua­dratmetern Nutzfläche eine stärkere Belebung aller touristischen und kulturellen Nutzungen erhalten und damit einen Gewinn für die regionale Wirtschaft darstellen soll: Das Gebäude bekommt noch im ersten Halbjahr 2024 für 150 000 Euro die notwendige Grundsicherung, was aus Mitteln der Städtebauförderung möglich ist. Löcher im Dach werden dabei abgedichtet, für etwa die Dauer von zwei Jahren wird ein Witterungs- und Arbeitsschutz erstellt. Auch werde der fortschreitende Verschleiß der historischen Substanz auf unterschiedliche Art und Weise eingedämmt. Durch eine weitere Zuwendung von 150 000 Euro durch die Deutsche Stiftung Denkmalschutz sollen zudem tragfähige denkmalpflegerische Nutzungskonzepte für das Haus erstellt werden. Weitere Hilfe erfährt das Kommandantenhaus durch eine Spende: Die Portaltür, „die Brosche im Gewand des Hauses“, so Möser, wird durch die Neuhauser Tischlerei Dittmer auf Kosten des Handwerksbetriebs, der sich auf diese Arbeiten ausgezeichnet versteht, restauriert.

Es sei ein Anfang, freut sich Suhrau, der sich eines abermals langen Prozesses bewusst ist. Permanent sei man auf der Suche nach weiteren Fördermöglichkeiten für den Erhalt der Anlage, die so viel Potenzial bietet, aber auch permanenter Pflege bedürfe. So sind unter anderem die Zugbrücke und deren Zuwegung, die 2013 neu erstellt wurde, bereits wieder sanierungbedürftig. Ebenfalls gesucht werde nach einem Pächter für die Gastronomie in der Zitadelle.

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