Abschied vom „Maestro“

Syrischer Komponist Nuri El Ruheibany verstorben

bv Lüchow. Dass er auch ein bedeutender Komponist war, ist außerhalb der Musikszene in Lüchow-Dannenberg weniger bekannt. Hierzulande kannte man ihn vor allem als Dirigenten und Musikpädagogen. Vor Kurzem ist Nuri El Ruheibany im Alter von 84 Jahren in seiner Wahlheimat, dem Wendland, verstorben.

El Ruheibany, von vielen nur „Nuri“ genannt, gehörte zwischen 1980 und 2007 dem Kollegium der Kreismusikschule an – als Lehrer für Klavier, Schlagzeug und Percussion. Der 1939 in Damaskus geborene Musiker hatte zuvor Klavier und Komposition an der Hochschule für Musik in Leipzig studiert. Nach dem Dirigentenstudium in Dresden, unter anderem bei Kurt Masur oder Yehudi Menuhin, folgte eine mehrjährige Tätigkeit als Dirigent: in Halle, Berlin, Freiberg, Leipzig, Lüneburg und Magdeburg. Später dirigierte El Ruheibany auch in Moskau, St. Petersburg und Kaliningrad.

„Seine Arbeit, für die Nuri stets mit seiner ganzen Persönlichkeit eintrat, begeisterte viele Jugendliche“, betont Marten Heuer, Leiter der Musikschule. „Nuri gründete und leitete viele Ensembles, darunter das Orff-Orchester und das Percussionensemble Tamburo Temperamento, welche viele Konzerte gaben. So wurde Nuri zu einem musikalischen Aushängeschild unseres Landkreises.“

El Ruheibany, selbst Vater dreier Kinder, war auch Lehrer und Förderer unter anderem von Catharina Schorling und den Madsen-Brüdern. Schorling feiert als Catt ebenso musikalische Erfolge wie die Indie-Rockband Madsen. Letzere riefen auch die Kampagne „Nur mit Nuri“ ins Leben, als es in der Kreismusikschule zu Konflikten mit und zur Trennung von seinem Arbeitgeber kam. Am Ende hat sich ein Förderverein für El Ruheibany gegründet.

In seinem Heimatland Syrien wurde der „Maestro“, wie ihn Orchestermitglieder ehrfürchtig nannten, sehr verehrt. Er war am Syrischen Nationalsymphonieorchester in Damaskus ständiger Gastdirigent. Das Fernsehen übertrug live die Uraufführungen seiner Kompositionen.

Der Leiter des Syrian Expat Philharmonic Orchestra, Raed Jazbeh, schreibt im Namen des gesamten Orchesters: „Unser Maestro war ein edler, freundlicher, liebevoller und kooperativer Mensch, der sich durch Spaß und Humor auszeichnete, der mit Leidenschaft und Liebe zur Musik arbeitete. Syrien war immer in seinen Gedanken präsent. Bis zum letzten Tag seines Lebens hörte er nicht auf, mit uns zu kommunizieren, Musik zu komponieren und zu arrangieren.“

Im Wendland hatte es El Ruheibany mit seinen ambi­tionierten Projekten, in denen er für Versöhnung und Frieden im Nahen Osten eintrat, weniger leicht. „Seine unermüdlichen und selbstlosen Leistungen für die kulturelle Belebung des Wendlands hätten mehr Anerkennung und Unterstützung verdient. Er aber war viel zu höflich und bescheiden, das zu fordern. Hatte man ihm doch von einflussreichen Stellen in Minis­terien nicht selten das Gefühl gegeben, nur ein Gast zu sein. Dabei hatte er ein großes Herz und wollte nur Lebensfreude weitergeben“, bilanziert sein Freund und Manager Christoph M. Lang.

In Erinnerung bleibt der charismatische, charmante und humorvolle Ruheibany aber auch im Wendland mit seinem kompositorischen Werk.

„Oft spiegelten sich seine orientalischen Wurzeln in seiner Musik wider“, so Landrätin Dagmar Schulz. In lebhafter Erinnerung ist Schulz die umjubelte Uraufführung der Arabischen Symphonischen Tänze und Lieder im Verdo im Jahr 2013 geblieben: „Damit hat Nuri sich einen lange gehegten Traum erfüllt.“ Als Anerkennung für seine Verdienste als Musiker, Komponist und Pädagoge wurde ihm 2001 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.

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