„Vorsicht vor niedrig fliegenden Störchen“

Storchenbeauftragte Antje Fäseke will ein selbst designtes Schild etablieren

bv Lüchow. Ein neues Verkehrschild in Deutschland zu etablieren, kommt einem Kampf gegen Windmühlen gleich. Angesichts von zur Zeit rund 28 Millionen Verkersschildern an deutschen Straßen ist es natürlich geboten, jedes weitere Schild genau zu prüfen. Aber bei dem Anliegen der hiesigen Storchenbeauftragten Antje Fäseke handelt sich um ein noch nicht mal regionales Problem. Es ist ein lokales, sogar punktuelles Problem, dem man etwas Wohlwollen seitens der genehmigenden Behörden wünschen würde. „Ein neues Motiv bundesweit zuzulassen, dauert in der Regel fünf Jahre“, berichtet Fäseke, die den Kampf gegen langsam mahlende Verwaltungsmühle aufgenommen hat. Fünf Jahre, in denen zahlreiche weitere Störche Opfer im Straßenverkehr werden könnten. Sie hat selber ein Schild „Vorsicht vor niedrig fliegenden Störchen“ designt und produzieren lassen. Nur – aufstellen darf sie es nicht. In Deutschland gibt es so ein Schild offiziell noch nicht, lediglich im französischen Elass gibt es eines.

Immerhin hat sie bereits einen Teilerfolg zu verbuchen. Was gut ist, denn das Problem drängt, etwa zwischen Penkefitz und Wussegel. Sie öffnet ihre Kladde und zeigt das Foto eines toten Jungstorches, der überfahren wurde. „Ich bin als Storchenbeauftragte oft konfrontiert mit toten Störchen, die ich einsammeln muss. Die unerfahrenen Störche verhalten sich im Straßenverkehr durch für sie schwierige Startverhältnisse sehr gefährlich. Als Gleitflieger können sie nicht senkrecht starten. Sie nutzen deshalb Startrampen und Böschungen, wie etwa Deiche, um in die Luft zu kommen. Und sie nutzen Schneisen, wie etwa Straßen, um zu landen. Im Tiefflug prallen sie auf Autos – was für beide Parteien gefährlich ist.“

Deswegen wurde Fäseke nun gestattet, dreieckige „Achtung“-Schilder mit kleinem Zusatzschild („STÖRCHE Febr.-Sept.“) aufzustellen. „Die erreichen meiner Meinung aber nicht schnell genug die Aufmerksamkeit der Autofahrer an Unfallschwerpunkten“, so Fäseke, die immerhin sechs dieser Schilder im Wendland aufstellen will. „Und deshalb setze ich mich nach wie vor für die Aufnahme eines Achtungschildes mit anfliegendem Storch in den Verkehrsmittelkatalog ein. Ähnlich, wie es zum Schutze von Kröten, Ottern und sogar Bibern schon existiert. Der langwierige Prozess vom Vorschlag über die Verkehrskommission bis zur bundesweiten Zulassung wurde mir schon angekündigt, aber ich gebe den Kampf nicht auf, das Verfahren zu beschleunigen.“ Unerschrocken fragt Fäseke nach Sachstandsmeldungen oder einem direkten Ansprechpartner im Verkehrsministerium – bisher ohne Erfolg. „Gern bin ich bereit, mich persönlich einzubringen“ bietet Fäseke an: Mit dem von ihr selbst entworfenen Schild und der Bereitschaft, die Notwendigkeit zu erklären. „Wer in der Nähe von Storchenhorsten im besiedelten Bereich wohnt, erkennt die jährlich wiederkehrende Gefahr, die sich mit mit wenig Mitteln reduzieren ließe.“

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