„Das ist eine Katastrophe“

40 Prozent des Jahrgangs 2: Nichtschwimmer

bv Dannenberg. „Das ist eine Katastrophe“, bringt es Rosie Reinert von der DLRG im Dannenberger Freibad auf den Punkt. Rund 40 Prozent des Jahrganges 2 der dortigen Grundschule können nicht – davon einige ein bißchen, aber nicht sicher – schwimmen. „Umso höher ist das Verdienst der Grundschulen einzuordnen, die sich darum kümmern, dass sich dies ändert. Wir helfen natürlich ­gerne dabei mit“, betont der DLRG-Vorsitzende Gregor Szorec, der die diesjährige Schwimmwoche mit seinem Team in Dannenberg ehrenamtlich unterstützt. Immer der zweite Jahrgang kommt in den Genuss einer solchen Woche, um Schwimmen zu lernen oder Defizite abzubauen. In Dannenberg sind es 51.

Julia Weber ist eine der Lehrerinnen des Jahrgangs 2. Sie steht am Beckenrand und motiviert einige der jungen Schwimmer, die das Schwimmabzeichen in Gold erwerben wollen – ein Kampf gegen die Stoppuhr. „Los, gib Gas, du schaffst das“, ruft sie einem zu. Im Wasser ist Lehrerin Stefanie Sachs, wo sie unsichere Schwimmer begleitet. Auch die Lehrerinnen Sonja Hahlbohm und Anna-Lena Bartels sind mit von der Partie. Unterstützt werden die Lehrerinnen vom Team der Ehrenamtlichen um Gregor Szorek. Rosie Reinert ist bereits im Wasser, wo sie mit Engelsgeduld den Nichtschwimmern beibringt, sich sicher über Wasser zu halten. Reinert schränkt ein: „Die Hälfte der Nichtschwimmer schafft es innerhalb der Schwimmwoche, Schwimmen zu lernen, die andere Hälfte nicht.“

Auch Pilipp Recht ist wieder mit von der Partie – alles alte Bekannte, wenn die Grundschulen das inzwischen seltene Angebot eines regionalen Freibades nutzen, um dieses Defizit aufzuarbeiten. Ein Freibad ist heute keine Selbstverständlichkeit mehr, siehe Lüchow. Und noch dazu mit angenehmer Wassertemperatur, trotz der enorm gestiegenen Heizkosten. Dass die Kreisstadt kein Freibad mehr hat, ist mehr als bedenklich aus Sicht der DLRG.

Die neunjährige Maike tummelt sich im „Tiefen“. Sie hat schon das Seepferdchen und ist auf dem Weg zu Bronze. Zoe (8), gefällt es besonders gut, dass „man vom Einer springen kann“. Auch sie macht Bronze, ebenso wie Alicia.

Für den enorm hohen Anteil an Nichtschwimmern gibt es mehrere Ursachen. „Viele der Schülerinnen und Schüler haben wenig Vorkenntnisse und wenig Schwimmerfahrung, wegen Corona.“ Zum anderen merke man, ob „Eltern ­regelmäßig mit ihren Kindern zum Schwimmen gingen – oder eben nicht“, betont Julia Weber. „Das macht einen Unterschied“. Szorec führt die bedenklich hohe Quote an Nichtschwimmern auch auf das veränderte Freizeit­verhalten mit mehr Medienkonsum und einhergehendem Bewegungsmangel während des Lockdowns zurück. ­Davor hätten noch rund 80 Prozent der Schwimm­anfänger die Seepferdchen-Prüfung bewältigt – heute sind es weniger als 60 Prozent, weil Beweglichkeit und Koordination abnähmen. Aber das Seepferdchen sei ohnehin nur eine erste Eintrittskarte ins Wasser. Selbst mit diesem Abzeichen sollten sich die Eltern nicht über die immer noch potenziell ­lebensgefährlichen Schwimm-Defizite ihrer Kinder hinwegtäuschen lassen. Erst ab dem Schwimmabzeichen Bronze – früher dem Freischwimmer – könne die Rede von sicheren Schwimmern sein. Übrigens: Der Kiebitz berichtete im April 2019 über sechs Erwachsene, die in teils hohem Alter bei Rosie Reinert noch schwimmen gelernt haben. Damals hieß es: Die Dannenberger DLRG-Ortsgruppe ist die einzige im Umkreis von rund 100 Kilometern, die auch Erwachsenenschwimmen anbietet.

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