Ein echter Hingucker

NABU bemalt Stromkasten und bepflanzt Areal insektenfreundlich

bv Schnackenburg. „Das ist ja das Entree von Schnackenburg, da musste was passieren“, sagt Bürgermeisterin ­Irene Brade über den ehemals schmucklosen grauen Stromkasten am Ortseingang von Niedersachsens kleinster Stadt. Er wurde mit Darstellungen heimischer Insekten wie dem Marien- und Maikäfer kunstvoll in XXL bemalt – ein echter Hingucker. Im Grundsatz war es die Idee von Irene Brade, das Areal, welches die Touristen als „Eintrittskarte“ wahrnehmen, zu verschönern.

Dorothee Helm und Juliane Dentler vom NABU griffen die Anregung gerne auf. Und ihr Naturschutzverein NABU zeigt, was eine gute Idee Wert ist. „Juliane Dentler und ich hatten uns für das Projekt ‚Eine Gemeinde blüht auf‘ in Damnatz begeistert“, berichtet Dorothee Helm. Sie hätten gerne auch für Schnackenburg eine Wildblumenwiese eingesät, konnten sich aber nicht vorstellen, genügend Interessierte zu finden. Deshalb kamen sie dem Wunsch der Bürgermeisterin nach und bepflanzten erst mal die kleine Fläche am Ortseingang – mit Wildblumen aus dem eigenen Garten, etwa Königskerzen, Natternkopf, Heide- und Grasnelke, Kleines Habichtskraut und andere. „Es wurde mit Absicht gepflanzt und nicht gesät“, betont Helm: „Das vorhandene Gras ist so dominant, dass kaum Samen keimen können. Pflanzen ist deshalb erfolgversprechender.“

Dort stand auch „der hässliche Stromkasten. Wir hatten die Idee, ihn mit Abbildungen von Insekten zu gestalten“, so Helm – „Wildblumen und Insekten gehören einfach zusammen.“ Die Betrachter sollen sich an den Abbildungen erfreuen – an der blauschillernden Prachtlibelle, der knallroten Feuerwanze und natürlich am Marienkäfer. Der hübsche Nachtfalter Brauner Bär wurde gerade zum Schmetterling des Jahres gewählt. Helm: „Ein schöner Käfer ist auch der Kartoffelkäfer. Kennt ihn noch jemand? Früher war er eine Plage. Die langbeinigen Schnaken, deren Larven Graswurzeln fressen, sind bei Rasenbesitzern unbeliebt. Vielleicht gab es früher rund um Schnackenburg besonders viele dieser geflügelten Plagegeister, und deshalb taufte man die Stadt niederdeutsch ‚Burg der Snaken‘. Im Niederdeutschen heißen Schlangen auch ‚Snaken‘. Es könnte also auch ‚Schlangenburg‘ heißen. Jedenfalls ist auf dem Stromkasten auch eine Schnake abgebildet.“

Die Motive auf grünem Grund hat Graffitikünstler Jan Slomka in Airbrush-Mischtechnik aufgesprüht. Das fotorealistische Kunstwerk fügt sich harmonisch in die Wildblumenfläche ein und überdeckt gekonnt den vordem grauen Kasten. Finanziert wurde das Projekt von der Stadt Schnackenburg, vom NABU und durch Spenden. Wenn die ersten Wildblumen anfangen zu blühen, hoffen die beiden Initiatorinnen, dass sie von Gartenbesitzern nachgeahmt werden, die auch ein paar Wildblumen wachsen lassen. Helm: „Jede Gelegenheit, den Insekten zu helfen, fördert die Artenvielfalt.“

Redaktion Kiebitz 05841/127 422 vogt@ejz.de

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