Elegisch, hypnotisch, melancholisch

Konzert der Berlin/Sovener Indie-Band Carolina Lee im Wendland

bv Soven. „Psychedelisch ist ein Ausdruck, von dem eigentlich niemand genau weiß, was genau gemeint ist“, lacht Schlagzeuger Lutz Oliver von der Band Carolina Lee. „Psychedelischer Folk-Pop“, das sind Genres, mit denen die Band aus Berlin und Soven gern gelabelt wird.

Letztlich trifft es den melancholischen Sound aber nicht genau. Die Songs des Quartetts sind Singer-Songwriter-Musik in bester Tradition, sind trotz des sehr ruhigen, zurückgenommenen Gesangs von Frontfrau Nadja Höhfeld nie eintönig. Vielmehr werden die Stücke getragen von klaren monophonen Gitarrenmelodien, gespielt von Simon Grothe, der auch Keyboard spielt und singt. Die wahrhaft dezent auftretende Rhythmussektion setzt Akzente – sie besteht aus Jule Schröder (Kontrabass und Gesang „und aus dem Osten“, da legt die Band Wert drauf) sowie Schlagzeuger Lutz Oliver. Höhfeld steuert eine präzise Rhythmusgitarre bei, die den Songs zusätzliche Struktur verleiht.

Die hypnotischen Songs stammen größtenteils aus der Feder von Regisseurin und Musikerin Nadja Höhfeld, die in Soven lebt, aber zwischen dem Wendland und Berlin hin- und herpendelt.

Monatelang hätten sie nicht zusammen gespielt – wegen Corona, logisch. Aufregend sei der Gig am Sonnabend auf dem großen Hof in Soven aber auch, weil sie jede Menge neue Stücke im Gepäck hätten, die „vielleicht noch nicht hundertprozentig sitzen.“

Beim Auftritt ist davon nichts zu spüren. Ruhig und sicher findet das Quartett auf der spartanisch, aber passend ausgeleuchteten Bühne zusammen. Frontfrau Nadja stellt die Songs kurz vor, die von ihren Begegnungen, Beziehungen, Reflektionen, Lebenserfahrungen erzählen, teilweise sehr persönlich. Sie versuche, Autobiographisches in eine abstrahiertere, poetische Form zu bringen. So erzählt der Song „Blossoms“ von der tiefen Trauer um ihren verstorbenen Bruder, berichtet aber auch davon, wie es gelingt, irgendwann doch wieder froh zu werden.

Unterschwelliger Humor ist auch dabei, wie Bassistin Jule Schröder einwirft. In „Two Flowers“ geht es um die beiden Töchter von Höhfeld, die an diesem Sonnabend in Soven nicht dabei sind – sie sind auf einer Radtour – wie sie einmal den Muttertag vergessen haben – Lachen im Publikum.

Wie schade, dass der Indie-Papst und BBC-DJ John Peel nicht mehr lebt – er hätte Carolina Lee sofort zu einer seiner legendären Sessions eingeladen.

Redaktion Kiebitz 05841/127 422 vogt@ejz.de

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