Historische Gewänder erzählen Geschichten

Christine Blug näht Kleidung aus altem Leinen

bm Mützen. Es ist ein besonderes Handwerk, verknüpft mit Kreativität, Geschick und historischem Wissen. Christine Blug ist Gewandmeisterin und hat ihre ganz eigenen Vorstellungen von Mode. „Es geht mir um die Aussage, die hinter dem Kleidungsstück steht. Das ist natürlich Teil meines Berufs, denn auf der Bühne müssen die Kostüme für sich sprechen“, erklärt die Spezialistin in Sachen Gewänder. Es sind die Geschichten, die dahinter verborgen sind. Für Blug sind das nicht nur historische Rückblicke, sondern auch das, was hinter der heutigen Mode steht. Wo sie herkommt, und wer sie gemacht hat. „Die Hintergründe sind oft nicht schön. Die Textilindustrie ist auf eine gewisse Art verletzt. Es hat viel mit Ausbeutung zu tun. Für das Hemd für zehn Euro werden Menschen ausgenutzt.“ Das macht sie ärgerlich. Daher kreiert sie gerade ihre eigene Mode – sehr nachhaltig, robust und am liebsten recycelt. Und am allerliebsten aus altem, handgewebtem wendländischem Leinen. „Das ist ein sehr langlebiges Material, was sich wunderbar tragen lässt und was die Menschen schon früher getragen haben.“

Vor einem Jahr zog die gebürtige Saarländerin von Hamburg ins Wendland – auf den ehemaligen Regenbogenhof in Mützen. „Hier habe ich meinen Wirkungskreis gefunden“, erklärt sie. Ein eigenes Atelier, umgeben von Menschen ähnlicher Gesinnung, hat die gelernte Schneiderin ihre ganz persönliche Vision von Vollkommenheit gefunden.

Durch einen Mitbewohner und ihr Interesse an historischer Kleidung bekam sie Kontakt zum Wendlandmuseum in Lübeln. Dort durfte sie den Fundus nach alten Kleidungsstücken durchstöbern und stieß auf das alte Wendlandhemd. „Ein früher sehr praktisches Kleidungsstück, welches nur aus Vierecken genäht wurde.“

Dieses Hemd dient nun als Vorlage für Wendlandhemden aus der Neuzeit. „Ich habe es aufgepeppt und einige Hemden eingefärbt – und tatsächlich schon mehrere verkauft.“

Im Museum sind zu dieser Thematik zwei Workshops in Planung, bei denen man sich dem historischen Bauernhemd widmen will. Außerdem werden Menschen ­gesucht, die Interesse daran haben, einen Arbeitskreis „Historische Kleidung des Wendlandes“ zu gründen.

Nähere Infos zu den Kursen sind auf der Seite des Rundlingsmuseums unter http://nwp.rundlingsmuseum.de zu finden. Wer noch altes Leinen oder Leinenkleidung abgeben möchte, kann sich an Christine Blug unter der Rufnummer (01 76) 80 71 33 30 wenden.

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