Idealer Ort der Inszenierung

Berauschendes Miteinander: Nachlese zur Art Dömitz

rs Dömitz. Erst Elbzollstelle, dann Burg und umkämpfte Festung, später Standort der Sprengstoff-Industrie, dann vier Jahrzehnte der Insellage im Sperrgebiet, 1989 plötzlich wieder mitten in Deutschland – aber nach wie vor unmittelbar an einer geografischen Grenze, der Elbe, gelegen: Dömitz’ Geschichte ist vielfältig und spannend, hat dem aufmerksamen Flaneur viel zu bieten. Historie, Häuser und Gärten verleihen gerade der Kunst einen idealen Ort der Inszenierung.

Zerrissenheit, Wandel und umgebende Natur sind auch in der bildenden Kunst wesentliche Elemente. Es kommt also nicht von ungefähr, dass sich dort eine stetig wachsende kleine Künstlerkolonie angesiedelt hat, aus deren Mitte vor zwei Jahren das Projekt „Kunstwochenende“ hervorging. Waren es bei der Premiere sechs Stationen, so wurden 2021 daraus neun, wo Grafiken, Objekte, Skulpturen, Malereien, Fotografien, Glas- und Lichtkunstobjekte in nahezu familiärer Atmosphäre gezeigt wurden. Am letzten Augustwochenende gestaltete der seit 2016 in Dömitz lebende Lichtdesigner und Lichtkünstler Dietrich Burmeister eine Fortführung dessen: die Art Dömitz – ein zweitägiges berauschendes Miteinander von rund 50 Kunstschaffenden von links und rechts der Elbe, von Karin Albers bis Peter Wieczorek, die sich mit ihren inhaltlich sowie bezüglich des Formats großen und kleinen Werken an 23 über die Stadt verteilten Orten präsentierten.

Noch jetzt, Wochen nach der Schau, schwärmt Burmeister von den Möglichkeiten, die Dömitz sowie seine Bürgerinnen und Bürger der Kunst gegeben haben: Privathäuser und -gärten wurden zu Galerien, städtische Einrichtungen – manche davon sind sonst nicht zugänglich – boten ungewohnte Sinnesfreuden. Burmeister macht aber auch keinen Hehl daraus, dass das gleichzeitig stattfindende Jubiläumsfest Johanneskirche sowie die „Tage der offenen Tür“ der nun im Kaufhaus befindlichen Amtsverwaltung Dömitz-Malliß die Art Dömitz positiv beeinflusst haben. „Es war enorm viel los, vor allem im Stadtzentrum“, womit der Initiator, der über große Erfahrungen im Event-business verfügt und mehrfach die Biennale di Venezia sowie die Documenta Kassel besucht hat, schon auf den kleinen Makel der Veranstaltung, die vermutlich im August 2023 wiederholt wird, abzielt: Wegen der schieren Größe war die Art Dömitz für viele Besucher nur häppchenweise zu genießen. Wer alles sehen wollte, musste etwa an die 11 000 Schritte gehen. Darunter litten fünf sehenswerte Orte, die an der Peripherie liegen. Dazu gehörten die baulich interessante Villa des ehemaligen Sägewerks an der Werderstraße ebenso wie das Kulturhaus, wo ein Dutzend Kreativer ausstellten, und auch das Haus Bornemann an der Schweriner Straße, wo der Dömitzer Jörn Bornemann sich erstmals der Öffentlichkeit mit seiner Kunst präsentierte. „Eine echte Entdeckung! Wirklich außergewöhnlich“, kommentierte Burmeister. Man müsse für die Auflage 2023 sehen, welche Orte dann überhaupt verfügbar seien. Das „kleine Kaufhaus“ etwa dürfte den Besitzer gewechselt haben. Dieser Wandel mache die Art Dömitz für ihn spannend. Inhaltlich werde Burmeister seinem Konzept treu bleiben, Kunst aller Couleur zu bieten – „weil Kunst individuell im jeweiligen Kopf entsteht. Menschen betrachten die Kunst basierend auf ihren eigenen Erfahrungen und ihrer eigenen Sichtweise.“ Daher wolle er nicht ausgrenzen oder vorenthalten. Es werde immer Diskussionen darüber geben, was Kunst ist und was nicht. Demnächst entstehe eine Website zur Art Dömitz, die in der Zukunft eventuell um Musik- oder Theateraufführungen bereichert werde. Wer Kunst mag, wird Dömitz lieben (lernen).

Redaktion Kiebitz 05841/127 420 seide@ejz.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.