Neue Flächen für seltenen Bodenbrüter

Landwirte und Naturschützer gemeinsam für Deutschlands größtes Ortolanvorkommen

bv Seerau/L. Das Männchen hat einen graugrünen Kopf, eine gelbe Kehle und gelbe Augenringe, die Unterseite ist zimtbraun. Und wer ihn einmal gehört hat, vergisst den Klang nicht mehr: Der Ruf kann ein zweisilbiges „sli-e“ oder ein knappes, klickendes „dju“ sein, der Gesang des Ortolans besteht aus klaren melodischen, sich wiederholenden Strophen – und soll Ludwig van Beethoven zur Fünften Symphonie inspiriert haben.

Der kleine Vogel aus der ­Familie der Ammern ist ein wärmeliebender Bodenbrüter, der extensiv bebautes Ackerland mit wenigen, vereinzelt stehenden Bäumen, am liebsten Eichen- oder Birkenalleen, als Singwarte braucht. Unbedingt.

Aber diese Kombination ist inzwischen so rar, dass der Ortolan beinah überall als stark gefährdet gilt. Außer im Wendland: Das deutschlandweit größte Ortolan-Vorkommen findet sich vor Ort. Es wird viel getan, um der Ammerart wenigstens hier ein Überleben zu sichern. Und viele Landwirte ziehen mit, wie etwa Uwe Brennenstuhl aus Lüchow oder Vater Karl und Sohn Thorsten Behrens aus Kolborn. Die Landwirte nahmen vergangene Woche teil an einer Feldbegehung von Ackerflächen, die für den Ortolan nach bestimmten Kriterien bewirtschaftet werden, damit er dort seine Kinderstube einrichten kann.

Der unauffällige Vogel aus der Familie der Ammern war einst in Europa und auch in Niedersachsen weit verbreitet. Seit den 1950er Jahren wurde der Beginn des zwischenzeitlich massiven Rückgangs dieser Art verzeichnet. Seitdem sind alle europäischen Bestände des Ortolans stark rückläufig – mit Ausnahme einer Population in Spanien und einer im Wendland. Das hiesige Vorkommen gilt inzwischen als das größte in ganz Deutschland, berichtet Petra Bernardy, die mit Botanikexpertin Heinke Kelm und Dr. Corinna Ebeling von der Unteren Naturschutzbehörde, die das Projekt koordiniert, zu einer Feldbegehung einlud. Die Akteurinnen freuten sich über die große Beteiligung durch interessierte Landwirte.

Seit drei Jahren laufe das Projekt „Aufbau und Etablierung einer Gebietsbetreuung in den Natura 2000-Gebieten“ unter Trägerschaft der Naturschutzbehörde, berichtete Ebeling im Schatten der ­Eichen auf dem Dorfplatz in Seerau. Ziel des Projektes sei es, Naturschützer und Landwirte zusammenzubringen.

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Redaktion Kiebitz 05841/127 422 vogt@ejz.de

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