Regt die Flutkatastrophezu mehr Blutspenden an?

DRK sammelte Lebenssaft bei der Feuerwehr

bv Langendorf. „Da säßen wir morgen früh noch hier“, lacht Torsten Gent auf die Frage, wer denn kein Blut spenden dürfe: Die Ausschlusskriterien umfassen ein dickes Handbuch. Die meisten davon hat der Arzt, der die Blutspendeaktion in Langendorf im Feuerwehrgerätehaus betreut, im Kopf, aber zur Sicherheit muss jeder freiwillige Blutspender, auch in Langendorf, einen mehrseitigen Fragebogen ausfüllen, mit dem Erkrankungen abgefragt werden. Und es gibt noch eine weitere Sicherheit: „Wennjemand weiß, dass seineBlutspende, aus welchen Gründen auch immer, zur Zeit unbrauchbar ist, er aber beispielsweise mit seinen Feuerwehrkameraden im Gruppenzwang mitgegangen ist, der kann auf einem weiteren anonymen Zettel ankreuzen: ,Meine Spende bitte vernichten‘, ohne dass es jemand anderes mitbekommt.“

In Langendorf haben die Freiwilligen vom Ortsverein im Feuerwehrgerätehaus die Spendenaktion vorbereitet. Routiniert werden die Spenderinnen und Spender von Manuela Brownlee, der DRK-Ortsvereinsvorsitzenden, aufgenommen. Danach wird der Fragebogen ausgefüllt, der Arzt checkt alles gegen, und dann geht es auf die Liege. Ein halber Liter Blut wird abgezapft. Wenn das nicht innerhalb einer bestimmten Zeit passiert, ist die Spende wertlos, berichtet Blutspenderin Marion Vongehr-Bülow aus Grippel. Sie spendet regelmäßig, kennt die Abläufe bereits.

Der Kiebitz fragt nach: Hat die Flutkatastrophe in NRW dazu geführt, dass Menschen mehr Blut spenden? Blutspenden sind föderal organisiert, die jeweiligen Landesverbände arbeiten allein verantwortlich. Der DRK-Blutspendedienst West schlägt Alarm. Blutspenden in ganz Deutschland seien jetzt gefragt, um den Mangel an Blutpräparaten auszugleichen.

Das stimme so, berichtetTorsten Gent, aber für dieBetroffenen mache das keinen Unterschied. „So zynisch das klingt: Die Toten brauchen keine Blutspenden mehr, und für die Überlebenden war genug vorhanden. Was betroffen ist, ist die Infrastruktur für zukünftige Ereignisse“, erläutert der Arzt. Denn in den massiv von der Flutkatastrophe betroffenen Bundesländern Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sei die Infrastruktur dermaßen geschädigt, dass dort auf absehbare Zeit keine Blutspendetermine durchgeführt werden können. Insofern hülfen auch die Blutspenden aus anderen Bundesländern, die knappe Blutversorgung auszugleichen. Bundesweit sei die Versorgungslage bereits seit längerem kritisch. Unter anderem, weil Krankenhäuser immer wieder geplante Eingriffe verschieben mussten, um Notfall-Kapazitäten freizuhalten. Jetzt, da sich die Corona-Lage entspanne, würden innerhalb dieses Korridors so viele Operationen wie möglich nachgeholt, da die weiteren Entwicklungen nur schwer vorhersehbar seien. Die Folge sei ein rasant ansteigender Bedarf an Blutpräparaten, der alle Blutspendedienste vor eine ernsthafte Herausforderung stellt. Die aktuelle Situation zeige, wie wichtig es ist, jederzeit ausreichend Blutpräparate zur Verfügung zu haben, um auch bei akuten Großschadenslagen die Blutversorgung sicherstellen zu können.

Nach der Spende dürfen sich alle Freiwilligen in Langendorf mit frisch Gegrilltem und Salaten stärken, mal etwas Neues. „Die Versorgung der Spender ist in der Pandemie schwierig, Büffets sind verboten“, erläutert Marina Witt. Aber das Gegrillte komme sehr gut an. Am Ende können sich Brownlee und ihr Team über 43 Blutspenden freuen, darunter sieben Erstspender. „Das ist ganz erstaunlich“, freut sich Brownlee – und vielleicht doch der Flutkatastrophe zu verdanken.

Redaktion Kiebitz 05841/127 422 vogt@ejz.de

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