In Gusborns Grundschule gegen Rassismus: Fella, Juna und Amelie zeigen Schulsozialarbeiterin Mandy Schott die Fortschritte ihres Graffitis.

Bunte Botschaften gegen Ausgrenzung

bv Groß Gusborn. Es riecht nach Farbe, Kinder wuseln durcheinander durch den Flur, auf einem Tisch steht eine ganze Batterie bunter Spraydosen bereit. In der Grundschule Gusborn ist an diesem Vormittag für die dritten und vierten Klassen kein gewöhnlicher Unterricht. Statt Matheheften und Lesebüchern tragen die Kinder Atemmasken, schneiden Schablonen aus Pappe und diskutieren darüber, wie man ein großes Wort sichtbar machen kann: Vielfalt. Gusborn ist die erste Grundschule im Netzwerk „Schule mit Courage – Schule ohne Rassismus“ im Landkreis. Ein Titel, der hier nicht nur an der Eingangstür hängen soll. „Wir versuchen regelmäßig, diesen Gedanken mit Leben zu füllen“, sagt Sozialarbeiterin Mandy Schott und blickt zu den Kindern, die konzentriert an ihren Entwürfen arbeiten. Gemeinsam mit der Evangelischen Kirche habe die Schule ein Projekt im Rahmen von “Begegnung.Miteinander.Gestalten” beantragt – und den Zuschlag bekommen. Die Idee: ein Graffiti-Projekt gegen Rassismus, das zugleich der Schule ein neues Gesicht gibt.

Dafür wurde der Künstler und Sozialpädagoge Nils Freye eingeladen. Einen ganzen Tag lang arbeitet er jeweils mit der dritten und vierten Klasse. Doch bevor gesprüht wird, steht erst einmal ein anderes Thema im Mittelpunkt. „Wir haben am Anfang spielerisch gearbeitet“, erzählt Schott. „Was bedeuten Vielfalt, Courage, Mobbing oder Rassismus überhaupt? Und wie fühlt sich Ausgrenzung an?“

In einem Klassenraum diskutieren Kinder genau darüber. Einer sagt: „Ich finde auch, dass Hausarrest Gewalt ist.“ Ein anderer Satz bleibt besonders hängen: „Was Gewalt ist, bestimmt derjenige, der sie erfährt.“ Für die Erwachsenen ist klar: Auch leises Tuscheln oder ein abwertendes Lächeln können verletzen.

Dann wird aus Theorie Praxis: Drei Gruppen arbeiten an drei Wänden. Auf einer Wand sollen Menschen in allen Größen und Formen einen Regenbogen tragen. Auf einer anderen entsteht eine Weltkugel mit einem klaren Schriftzug gegen Mobbing. Alles Ideen, die aus den Köpfen der Schülerinnen und Schüler selbst kommen.

„Die Kinder haben wirklich alles selbst entwickelt“, sagt Schulleiterin Andrea Hahlbohm. „Sie haben überlegt, wie man so ein abstraktes Thema sichtbar machen kann.“

Während draußen gesprüht wird, wird drinnen plötzlich ein schriller Ton laut: der Rauchmelder. Trotz geöffneter Fenster haben sich feine Farbpartikel im Raum verteilt. Für einen Moment stockt die Arbeit – dann wird gelacht. Zum Glück tragen alle Kinder Schutzmasken.

Für Amelie aus der vierten Klasse ist es das erste Mal mit der Spraydose. „Es fühlt sich ungewohnt an“, sagt sie. „Und ich mag den Geruch nicht so gern. Aber es ist auch richtig cool.“ Neben ihr nickt Luna. „Es stinkt ein bisschen, aber es macht Spaß.“ Gemeinsam haben sie ihr Motiv entworfen: ein buntes Band mit der Botschaft „Kein Rassismus mehr“, dazu ein Smiley und Regenbogenfarben im Hintergrund. Auch Cornelius hat vorher mitgeplant. „Wir wollten Herzen und Regenbögen machen“, erzählt er. „Und die Welt groß.“

Künstler Nils Freye kennt solche Projekte. Der gebürtige Wendländer lebt heute in Bremen und verbindet in seiner Arbeit Kunst mit politischer Bildung. „Wir haben Methoden und Spiele gemacht zu Ausgrenzung, Demokratie und Vielfalt“, sagt er. „Und daraus entwickeln wir dann Bilder, die bleiben. Das meiste lernen die Kinder sowieso beim Machen.“

Pastor Jörg Prahler, Schulpate des Courage-Netzwerks, beobachtet, wie aus Gesprächen über Respekt langsam farbige Wände werden. „Das Gute ist“, sagt er, „dass die Kinder sich nicht nur mit dem Thema beschäftigen – sie verschönern dabei auch noch ihre Schule.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert