Durch das Jahr mit Schafen

Aus Prabstorf: Leineschaf-Biozüchter im Nebenerwerb legen Kalender auf

bv Prabstorf. „Gänse sind schon von Anfang an auf dem Hof, irgendwann kamen ein paar Hühner dazu, und als 2011 die ersten zwei Schafe einzogen, war noch nicht klar, wo das hinführen würde“, erinnert sich Lisbeth Lange-Wulff, die mit ihrem Mann Dr. Hans-Christian Lange und den Söhnen Johann und Mattis in Prabstorf lebt. Die Herde vergrößerte sich über die Jahre kontinuierlich.“Inzwischen sind die Schafe unser Schwerpunkt. Wir halten 35 Mutterschafe, konzentrieren uns auf die Zucht von Leineschafen, eine vom Aussterben bedrohte Haustierrasse, und haben in Spitzenzeiten bis zu 140 Schafe in unserer Herde“, berichtet die Diplom-Übersetzerin. Dafür brauche es einiges an Fläche, und so bewirtschaften die Langes mit den Schafen inzwischen etwa 25 Hektar. „Unsere Produkte wie Fleisch, Wurst, Wolle, Felle und Heu vermarkten wir direkt und größtenteils regional, das alles allerdings im Nebenerwerb, was bedeutet, dass wir neben der Landwirtschaft auch noch anderen Berufen nachgehen. Unterstützung bei der alltäglichen Arbeit erfahren wir durch Helfer und Helferinnen aus aller Welt, die über das Freiwilligennetzwerk WOOF und HelpXchange den Weg zu uns finden und für einen Zeitraum zwischen zwei Wochen und mehreren Monaten mit uns leben.“

Schafzäune auf- und wieder abbauen, umweiden, nachmähen, Herden kontrollieren, Wasser fahren, Klauen schneiden, Wolle waschen, Heu machen, Füttern: „Oft fehlt im Alltag die Muße, die schönen Seiten der Landwirtschaft und der Arbeit mit den Schafen zu sehen. Umso dankbarer sind wir für die malerischen Bilder, die unsere Freundin, die Komponistin und Klangkünstlerin Gabriele Hasler übers Jahr immer wieder mit ihrer Kamera einfängt. Daraus ist jetzt dieser Kalender entstanden.“ Hasler fand ebenfalls über einen freiwilligen Arbeitseinsatz bei Langes vor einigen Jahren ins Wendland.

Frage: Wie läuft ein Schafjahr ab? „Zwischen Februar und April werden bei uns die Lämmer geboren. Die Mutterschafe sind in dieser Zeit im Stall auf dem Hof. Aufregende Wochen, in denen viel Aufmerksamkeit und manchmal Geburtshilfe nötig ist, die Nächte oft sehr kurz sind und es manchmal auch dramatisch wird. Bei 35 Mutterschafen erwarten wir jedes Jahr um die 50 Lämmer, da ist auch mal das ein oder andere Flaschenlamm dabei.“

Wenn dann endlich alle Lämmer geboren sind und das Gras zu wachsen beginnt, geht es raus auf die Weide und es wird wieder ruhig auf dem Hof. „Unsere Weiden liegen verteilt in einem 8-km-Radius um Prabstorf herum – von kleinen Wiesen hinterm Haus über naturnahe Ausgleichsflächen der Stadt bis hin zum Binnendeich ist alles dabei. Ist eine Fläche abgegrast, ziehen wir meist zu Fuß mit den Schafen zur nächsten Weide. Da wir Schäfer ohne Hund sind, hilft oft die ganze Familie mit. Die Jungs sind hervorragende Treiber und sorgen auf längeren Strecken auch gerne mal auf dem Fahrrad dafür, dass kein Schaf auf Abwege gerät.“

Und einmal im Jahr werden die Schafe geschoren – eine aufregende Zeit. „Dabei haben wir jedes Schaf einzeln in der Hand und nutzen die Gelegenheit, auch gleich die Klauen zu schneiden und, wenn nötig, eine Wurmkur zu verabreichen. Wer fertig ist, wird mit einem farbigen Strich auf dem Kopf markiert.“ Wenn sich das Jahr dem Ende zuneigt, kommt es darauf an, die Schafe mit gutem Heu und etwas Kraftfutter gut durch den Winter zu bringen. „Denn die Mutterschafe sind bereits wieder tragend. Wir blicken zurück auf ein arbeitsreiches Schaf Jahr – und freuen uns bereits auf das nächste!“

  1. Andrea Roik

    Liebe EJZ,
    der Artikel über die Leineschafzüchter Lisbeth und Hans-Christian Lange hat mir gefallen. Wie und wo kann man deren Schaf-Kalender denn beziehen?
    Danke und Gruß
    A. Roik

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