Schön, aber unnahbar

Nachwuchs bei Wustrower Wildpferden

kek Wustrow/Elbe. „Ohhhh … ohhh!“ Fasziniert freuen sich – und leider ein bisschen laut – die 22 Erst- und Zweitklässler, als sie die Tiere sehen. So etwas gibt es schließlich nicht alle Tage. Doch den 27 Wildpferden, darunter nunmehr zehn Fohlen, ist das zu viel. Kaum bei den Kindern angekommen, dreht sich die Herde um und verschwindet im 28 Hektar großen Elbvorland. Die Gruppe, die vor einigen Tagen Wustrow besuchte, ­hatte zwar schon einiges gesehen: 20 Landschweine, unzählige Hühner und 350 Enten nahezu zum Anfassen, das Schulhaus und die Kirche, und nachher werden noch Rinder besichtigt – aber die Pferde – das war der ­Höhepunkt des Tages.

Und das Ganze hat Tradition: 1852 vermerkt der namhafte preußische Geodät und Kartograf Dr. Heinrich Karl ­Wilhelm Berghaus für das zwischen Lanz und Lenzen liegende Wustrow: „Boden zu 6/8 Sand, je 1/8 Klei und Wiesen. Die Löcknitz durchschneidet die Feldmark … ­Betreiben meist Plänterwirtschaft, die dem Dreifelder­system einigermaßen gleicht, angebaut werden Roggen, Weizen, Gerste, Hafer und Kartoffeln; sie haben zweischürige Wiesen, Hütungen für Rindvieh und Pferde … Die zehn Bauern halten je 3 bis 4 Pferde zum Wirtschaftsbetrieb; das Gut besitzt sieben Pferde und 20 Kühe“.

Wie sich doch manches ändert: Das Gut gibt es nicht mehr, wie ebenfalls die Plänterwirtschaft, und die zehn Bauern auch nicht. Nur noch einen gibt es, und dieser betreibt ausgiebig Ackerbau und Viehzucht, denn das ist geblieben.

Geblieben, oder besser gesagt wieder dort, sind die Pferde. Und wenn vor rund 150 Jahren bestenfalls 47 mehr oder weniger edle Renner zu sehen gewesen waren, so sind es vor über einem Jahr immerhin 16 Stuten gewesen, die auf den Wustrower Wiesen Landschaftspflege betreiben. Und die Tendenz ist ­erfreulicherweise steigend. Mittlerweile sind es elf Fohlen, die inzwischen geboren wurden, und lediglich drei von ihnen sind männlichen Geschlechts.

„Dem ersten Hengstfohlen, welches dort auf die Welt kam, haben wir den Namen ‚Horst‘ gegeben“, erzählt ­Michel Mackel, der zusammen mit seinem Bruder Paul die Herde betreut. Mit diesem Namen soll das Andenken an einen ganz bestimmten Menschen, der hier jahrzehntelang die Landwirtschaft in der Region maßgeblich prägte, erhalten werden, „und die Leute hier wissen natürlich alle, wer damit gemeint ist“, schmunzelt der Wustrower.

Die Schulkinder, die an diesem Tag gekommen sind, um den Nachwuchs zu bestaunen, haben jedoch andere Interessen. „Schade, dass man die Pferde nicht streicheln kann“, ist immer wieder zu hören. Aber den Tieren – am besten per Fernglas – zuzuschauen, hat ja auch etwas.

Bis Ende Dezember – oder bis zum Eintreffen eines Hochwassers – verbleibt die Herde in ihrem Sommersitz auf den Wustrower Elbwiesen. Danach geht es ins hochwassersichere Winterquartier.

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