„Eine Brücke für die Utopie“ über die Elbe

Dömitz und Kaltenhof: Kunstaktion auf beiden Seiten des Stroms zu erleben

tj Kaltenhof/Dömitz. Ein Landschaftskunstflaneur muss schon zweimal hinschauen, bevor er sie entdeckt, die Kunst. Auf dem Westufer der Elbe, am Portal der früheren Dömitzer Eisenbahnbrücke, zieren bunte, im Verhältnis zum Bauwerk kleine Gebilde die Zinnen, am Fuß des Portals. Da, wo früher die Gleise liefen, liegen drei kistenför­mige Drahtgebilde. Zwei orangene Transparente am Bauzaun stehen dann sofort unter Kunstverdacht: „Bei uns!“ steht auf dem einen, „Bei euch!“ auf dem anderen – Hinweis auf das Thema der Kunstaktion, die seit Freitag auf beiden Elbseiten stattfindet. „Eine Brücke für die Utopie“ ist ihr Titel. Unter der Autobrücke, ein Stück von den Ruinen ihres Bahnpendants entfernt, fahren Radfahrer jetzt nicht nur grelltürkisenen Grafitti, sondern auch an mehreren Flokati-ähnlichen Matten in gedämpften Farben vorbei, ocker, lila, weiß, hell- oder dunkelblau. Auf der anderen Elbseite findet der Kunstwanderer etwa zwei Fahnen vor dem Dömitzer Rathaus, eine Installation aus altem Möbelfurnier in einem Schaufenster. Oder am Hafen, wo eine überaus dezente Lichtinstallation im früheren DDR-Wachturm wartet, vier rote Lampen blinken im Wechsel. Elbnah hinter Bäumen hängt ein Transparent „Überbrücken“ an einem Metallgestell, das wohl einmal der Bahn gedient hat. Zwei Räume der früheren Festung werden mit einer Videoinstallation und Zeichnungen bespielt, im Rathaus gibt es Bilder und eine Geschichtensammelstation. Vom Dömitzer Elbdeich aus ist ein Passagierschiff zu sehen, es passiert gerade zwei gelbe Holzkisten­stelen, eine West, die andere Ost, bilden sie eine Art fiktives Tor. Diese Arbeit ist die einzige, die auf den ersten Blick ins Auge sticht. Weitere Arbeiten sind bei Neu Darchau und in Tosterglope zu sehen. Die Unaufdringlichkeit sei durchaus Absicht, erzählt Martin Schepers, Künstler aus Berlin und Organisator der Kunstaktion, am Rande der Vernissage in der restaurierten Remise des Dömitzer Rathauses. Schepers hat die Region und die Brückenruine bei einer Elbwanderung vor zwei Jahren entdeckt. Die Kunstwerke der 20 beteiligten Künstlerinnen und Künstler hätten nicht „wie ein Raumschiff“ in der Elbaue und der Region um Dömitz landen sollen, sondern unaufdringliche Akzente setzen wollen.

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