Erste Ukrainer sind da

Viele lokale Initiativen helfen Geflüchteten

rg Lüchow-Dannenberg. „Auf das, was einen da erwartet, ist man in keinster Weise vorbereitet“, sagt Martin Walther. Der Mann aus Leisten gehört zu einer erst vor einigen ­Tagen von seinem Freund Jan Fietjenheuer initiierten Ukraine-Hilfsaktion mit den Namen „LeistenLebtUkraineHilfe“ und war mittlerweile dreimal an der polnisch-­ukrainischen Grenze, um Hilfsgüter hinzubringen und Menschen abzuholen. Seit ­einer Woche sammeln an die 100 Menschen aus Leisten und den umliegenden Dörfern Geld- und Sachspenden – und kümmern sich um die Menschen, die in dem Sprinter von Jan Fietjenheuer und einem von der Firma Irro zur Verfügung gestellten Transporter ins Wendland geholt werden. Doch was passiert mit den Menschen, die herkommen? „Die meisten, die wir holen, reisen weiter“, sagt Walther. Und um jene, die bleiben, werde sich aufopferungsvoll gekümmert.

So ist eine ukrainische Familie bei einer Familie in Bösen untergekommen, eine Frau mit ihren Kindern in Pevestorf. Auch in Bösel haben Menschen aus der Ukraine Unterkunft gefunden, organisiert von Maik Josef, Antonia Gampe-Valerius und ihrer ­Familie. „Wir hatten auch versucht, Menschen von der Grenze mitzunehmen, aber das hat nicht geklappt“, beschreibt die Böselerin ihre Hilfsbemühungen. Es seien ja vornehmlich Frauen und Kinder, die dort ankämen. Und viele weigern sich mittler­weile, in Autos einzusteigen, es kursieren unter den vor dem Krieg geflüchteten Gerüchte über Menschenhändler, die Frauen und Kinder entführen – was dran ist, vermag niemand zu sagen. Sie sei dann nach Berlin gefahren und habe dort am Bahnhof Menschen gesucht, die eine Unterkunft brauchten. Sie wurde fündig. Die Ukrainerinnen und deren Kinder, die sie mitbrachte, leben jetzt erst einmal in Bösel. Und sind ­angemeldet.

Das sei jedoch gar nicht so einfach gewesen, erzählt ­Antonia Gampe-Valerius. Die Behörden hätten ihr zunächst nicht weiterhelfen können, erst nach zwei Tagen sei es vorangegangen. Mittlerweile sei man aber besser aufgestellt, heißt es aus dem Kreishaus. Einen Überblick darüber, wie viele ukrainische Vertriebene sich bis jetzt im Kreisgebiet aufhalten, gibt es allerdings nicht. „Ukrainische Staatsbürger können sich bis zu 90 Tage ohne Visum in den Ländern des Schengenraums aufhalten und frei bewegen“, betont man im Kreishaus. „Aufgrund der vielen Nachfragen, die uns aktuell erreichen, gehen wir allerdings von rund 150 Vertriebenen aus, die bereits hier sind“, sagt Jan Weber von der Ausländerbehörde. Um einen Überblick zu bekommen, ­bitte man darum, alle hier Ankommenden bei einem der hiesigen Einwohnermeldeämter zu melden. Die sind bei den Samtgemeinden angesiedelt, Informationen gibt es bei der Samtgemeinde Elbtalaue unter (0 58 61) 80 83 33, bei der Samtgemeinde Lüchow unter (0 58 41) 12 65 20 und (0 58 44) 83 22 und in der Samtgemeinde Gartow unter (0 58 46) 82 11. Die Meldungen reichen die Einwohnermeldeämter an die Ausländerbehörde im Lüchower Kreishaus weiter. „Mit der Meldebescheinigung können die Vertriebenen dann tele­fonisch einen Termin in der Ausländerbehörde im Kreishaus in Lüchow vereinbaren. Hier werden sie erkennungsdienstlich erfasst und sie erhalten, sofern nichts dagegen steht, sofort vor Ort eine Aufenthaltserlaubnis. Diese Aufenthaltserlaubnis oder die ­Beantragung von Asyl beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge ist die Bedingung für weitere Hilfe und finan­zielle Unterstützung“, erklärt Stephanie Erhardt, Leiterin des Sozialamts der Kreisverwaltung.

Die ersten ukrainischen Vertriebenen haben bereits ihre Aufenthaltserlaubnis erhalten. „Mit einem vorab vereinbarten Termin können sie sich ­direkt im Anschluss im Sozialamt zu weiteren Unterstützungsleistungen beraten lassen. Je nach Bedarf sind Hilfe für Lebensunterhalt, Unterkunft, Hilfe für medizinische Versorgung und auch Beihilfen für Kleidung möglich“, ­erläutert die Kreisverwaltung. All diese Infos gibt es auch online unter www.luechow-dannenberg.de/ukrainehilfe und www.warmes-bett.de.

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