Geheimnisvolle Zeichen

Pavel Richtr zeigt Bilder im Oktogon

bv Hitzacker. Es sind großformatige, wild-abstrakte Bilder in enormer Farbigkeit, die Pavel Richtr im Oktogon, der Kunsthalle in Hitzacker, zeigt. In ihrer bunten Abstraktion liefern sie gleichzeitig sehr konkrete Elemente: Buchstaben sind auszumachen, die – scheinbar – keinen Sinn ergeben. Diese Zeichen einer Geheimschrift sind kryptische Chiffren, gleichsam verschlüsselte Botschaften, die Richtr aussendet. Und das hat einen guten Grund.

Bevor der Tscheche 1969 in die Bundesrepublik emigrierte, verstand er sich als Maler ebenso wie als Schriftsteller. Er schrieb Theaterstücke, Essays, Gedichte. Er schrieb für einen kleinen Kreis junger Intellektueller – und für die Schublade. Seine Texte der Zensur des sozialistischen Regimes vorzulegen, lehnte er ab. Genauso zeigte er seine Bilder nur in privaten Atelier- und Wohnzimmerausstellungen. Erst nach der Emigration in die Bundesrepublik wurde die Malerei mehr und mehr zum alleinigen künstlerischen Ausdrucksmittel für Richtr. Die seit 30 Jahren andauernde Periode in Richtrs Schaffen ist die „skripturale Malerei“ oder „Zerschriftungen“, wie der tschechische Maler seine Arbeiten nennt: meist großformatige Leinwände, die ausschließlich Schrift abbilden – Handschrift, Druckschrift, Schablonenschrift, gesprayte Schrift. Dort, wo im Zeichengetümmel einzelne Buchstabenfolgen als Wörter entzifferbar erscheinen, ergeben sie keinen Sinn. Denn Richtr achtet sorgsam darauf, dass ihm beim Schreiben nicht zufällig ein verstehbares Wort dazwischen gerät. Nichts soll von dem, worum es ihm geht, ablenken – von der Schrift als Bild. „Diese Schrift ohne Sprache ist meine Antwort auf eine Welt, die überquillt von medialem Getöse, von Berichten, Nachrichten, Meinungen und Gegenmeinungen – von Pathos und Sprechgeräusch“, erklärt Richtr. Er macht eine Welt aus, „die sich in der Schwemme der widerstreitenden Informationen selbst abhanden kommt“. Seit 2015 fertigt Richtr parallel zur Malerei auch fotografische Arbeiten an, die mittels Software zu einer Gesamtkomposition verarbeitet werden, ein Zusammenspiel von gegenständlich und abstrakten, von atmosphärischen und technischen Bildelementen. Richtr nennt dies „digitale Malerei“.

Am Sonntag, dem 25. September, ist Richtr zur Finissage ab 15 Uhr persönlich im Oktogon anwesend. Die Richtr-Schau ist die letzte Ausstellung des Jahres im Oktogon, wie Peter Wieczorek mitteilt. Zu sehen ist sie jeweils sonnabends und sonntags von 15 bis 17 Uhr.

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