Klein und blau

Schmetterlingsexperte Martin Gach über den Faulbaum-Bläuling

lk Lüchow. Es ist Sommer – Schmetterlinge, jene zerbrechlichen Wesen, die als Bioindikatoren gelten, bevölkern unzählige Blühpflanzen. Seit seiner Jugend beobachtet der Lüchower Martin Gach diese Tiere, ist profunder Kenner und gibt seine Kenntnisse in der Rubrik „Martins Schmetterlingswelt“ regelmäßig an die Leserinnen und Leser des Elbe-Jeetzel-Kiebitz weiter. Heute geht es um den Faulbaum-Bläuling (Celastrina argiolus), um einen Tagfalter aus der Familie der Bläulinge (Lycaenidae). Der Falter ist mit 20 bis 30 Millimetern Flügelspannweite nicht besonders groß und kann in unterschiedlichen halboffenen Habitaten angetroffen werden. Er fliegt auf besonnten Waldwegen, auf Lichtungen, blütenreichen Waldrändern, in Heidelandschaften und Parkanlagen. Der Faulbaum-Bläuling wird auch als Gartenbläuling bezeichnet. Als Kulturfolger ist dieser charmante blaue Falter immer häufiger in den Gärten der Kiebitz-Region zu finden. Diese können zusammen mit anderen Waldarten an feuchten Bodenstellen, Marderkot oder beim Blütenbesuch saugend beobachtet werden.

Beide Geschlechter sind blau, jedoch reicht die blaue Färbung der Flügeloberseiten beim Weibchen nicht komplett zum Rand: Dieser ist breit und fast schwarz. Die Unterseiten sind sowohl beim Männchen als auch beim Weibchen weißlichblau und mit schwarzen Punkten versehen. Diese Art fliegt in zwei nicht ganz voneinander zu trennenden Generationen von April bis September.

„Im vergangenen Jahr habe ich zahlreiche Falter bei der Eiablage an Heidekraut im Breeser Grund beobachten können“, erinnert sich Gach. „Dabei krümmen die Weibchen ihren Hinterleib (Abdomen) und setzen ihre winzig kleinen Eier mithilfe eines witterungsbeständigen Naturklebstoffs an der Futterpflanze ab.“ Der namensgebende Faulbaum ist nicht die einzige Futterpflanze, worauf diese Art spezialisiert ist. Eine Vielzahl von Pflanzen unterschiedlichster Art deckt den Tisch für die Raupen. Im Garten nutzen sie zum Beispiel den Blutweiderich, der luftfeucht stehen sollte. Weitere Futterpflanzen sind Heidekraut, Johannisbeeren, Kreuzdorn, Heidelbeeren, Apfelbaum, Wicken, Hartriegel und verschiedene Kleearten wie Luzerne.

Die asselartigen Raupen sind farblich an ihre Futterpflanze angepasst. Fressen sie am Blutweiderich, kommen sie rosa daher, ist das Futter grün, ist auch die Raupe grün. Durch diese Strategie sind sie für ihre Fraßfeinde unsichtbar. Der Faulbaum-Bläuling überwintert als Puppe in der ­Bodenstreu unter trocknen Blättern.

„Das Falterjahr 2021 gestaltet sich bislang schwierig: Die Monate April und Mai waren zu kalt und feucht. Durch diese schlechte Witterung kam es überall zu Verlusten und einer zeitlichen Verzögerung in der Entwicklung der unterschiedlichen Stadien während der Metamorphose. Bleiben Sie fasziniert und gespannt, was dennoch alles Buntes vor ihrer Haustür flattert. Im nächsten Bericht geht es um den Mauerfuchs, der es warm und trocken mag“, ­kündigt Martin Gach an.

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