Wissenschaft

Zu besuch bei Töpfermeisterin Fine Jahn

bm Reddereitz. Das Töpfern werde sie bis zu ihrem Lebensende begleiten, erzählt Fine Jahn, die in lässiger Kleidung, mit einigen Tonklecksen auf dem Pullover, aus ihrer blauen Keramiktasse trinkt. Vor ihr steht eine Kanne in grünblau – eine Farbmischung aus ihren Anfängen. Die Reddereitzerin ist Töpfermeisterin mit Leib und Seele und zählt zu den letzten Meistern ihrer Zunft. „Der Meister ist im Töpferhandwerk nicht mehr zwingend vorgeschrieben, aber um richtig gut töpfern zu können, braucht es Jahre.“

Die Meisterin ist auch Künstlerin und verfügt über einen reichen und vielfältigen Erfahrungsschatz. Ihre Gesellenjahre verbrachte sie in Neuseeland und Kalifornien. „In Neuseeland war ich zwei Jahre. Der Einfluss japanischer Töpfer war dort sehr stark. Ich habe unheimlich viel gelernt.“ IN Kalifornien brachte man ihr bei, wie man richtige Löcher in die Blumemtöpfe macht, „nämlich unterhalb an der Seite des Topfes und nicht unten mittig, wie das hier gemacht wird. Die Pflanze trocknet so nicht aus, weil immer etwas Feuchtigkeit zurückbleibt.“

Ihr Markenzeichen sind Tassen mit kleinen Tierköpfen, wie Widder, Schweine, Kühe oder Drachen. Sogenannte Lieblingstassen. Und zu ihren persönlichen Lieblingstieren zählt ganz klar der Drache. Die Künstlerin weiß selbst nicht genau, warum das so ist. „Schon als Kind habe ich alles mit Drachen bemalt. Es gab mappenweise Bilder davon. Vielleicht hängt es mit meinem Namen zusammen.“

Denn Fine ist nur eine Abkürzung für Beowulfine. So heißt sie nämlich mit vollem Namen. „Mein Vater war ein Fan des uralten Epos von Beowulf, der einen feuerspeienden Drachen erschlagen hat, dabei aber tödlich verwundet wurde. Deshalb nannte er mich Beowulfine. Ich habe daraus Fine gemacht. Das klingt doch deutlich besser“, grinst Jahn. Aber ihre Drachen liebt sie innig. Daher fertigte sie auch schon zwei Meter große Drachen aus Keramik an. „Eine Sisyphusarbeit“, wie sie sagt. Elf Teile dreht Fine Jahn und steckt diese hinterher zusammen. Das Gesicht, die Zähne und die Krallen werden modelliert. „Es ist anstrengend, aber bringt sehr viel Spaß.“

Überhaupt sei das Drehen gar nicht so einfach, wie es aussehe. „Eine falsche Bewegung und das Produkt gerät ins Schlingern oder fliegt herunter. Es erfordert Konzentration und eine innere Zentrierung. Man muss in seiner Mitte sein.“ Damit hätte dieser Beruf auch etwas Meditatives.

Auf der anderen Seite sei das Töpfern als das älteste Handwerk der Menschheit eine wahre Wissenschaft. „Ich habe ganze Bücher mit Farbkombinationen aufgeschrieben.“ Manchmal benötigt sie 70 Glasurproben für eine bestimmte Glasur. „Es ist viel organische Chemie. Man muss einfach wissen, wie die einzelnen Rohstoffe miteinander reagieren. Und wenn ein Kunde ein bestimmtes Service in einer bestimmten Farbe haben oder nachbestellen möchte, muss ich in der Lage sein, dass entsprechend herzustellen.“

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