Toller Schlussstrich: „Ihr schreibt Geschichte!“

Über zehntausend Besucher feiern die letzte große KLP-Party in Gorleben

bv Gorleben. Das war ein Schlussstrich mit Format: „Du schreibst Geschichte“, singt Sebastian Madsen in den Abendhimmel neben dem Zwischenlager in Gorleben, einer der Hits der aus dem Wendland stammenden Band Madsen. Auf dem MMKW, der traditionellen Bühne der Castorgegner, rocken der bekannte Sänger und seine Mitstreiter der Kultband, dem Überraschungsgast des geschichtsträchtigen Freitagabends, und feiern ein Heimspiel im Wendland. Vor der Bühne wiegen Tausende ihre nach oben gereckten Arme im Takt mit der Musik. „Seid ihr gut drauf?“, ruft der Sänger. „Ja!“, tönt es zurück. Wahrlich ein grandioser Schlusspunkt unter ein gelungenes Fest, immerhin ging es darum, das definitive Ende des geplanten Endlagers einmal gemeinsam zu feiern – eine Einladung, die mindestens zehntausend Besucher annahmen, fröhliche Gesichter überall, den ganzen Tag Action. Und für 22 Uhr war ein musikalischer Hochkaräter versprochen worden – ein zweiter, nach Kettcar. Das Geheimnis, das eigentlich nie wirklich eines war, lüftete sich erst kurz vorher. Als die Bühnentechniker das Schlagzeug auf die große Bühne der letzten „Kulturellen Widerstandspartie“ trugen, prangte auf der Bassdrum das Logo der Band, die es aus Lüchow-Dannenberg auf die Bühnen dieser Welt geschafft hat – und die wie kaum eine andere für das Wendland steht: Madsen.

Bis zuletzt hatten sich die Organisatoren bedeckt gehalten. Und Madsen enttäuschten nicht. Ganz im Gegenteil. Die Rockformation spielte nicht nur alle Stücke, die ihre Fans lieben, sie gaben ihrem Konzert vor dem Zwischenlager auch eine ganz persönliche Note. „So lange haben wir zusammen demonstriert“, sagte Frontman Sebastian Mad­sen, der auf der Bühne seinen 41. Geburtstag feierte: „Das Schöne ist: Ich bin heute ungefähr so alt geworden wie der Widerstand. Wir waren hier mit unseren Eltern protestieren, demonstrieren, und wir haben seitdem so viel gesehen und auch so viel gelernt, zum Beispiel was Zusammenhalt angeht, und was es heißt, wenn man unzufrieden ist – und das laut sagen möchte“, erinnerte sich der aus Prießeck stammende Musiker an seine Kindheit und Jugend im Wendland, und an den erfolgreichen Kampf der Region dagegen, zum Atomklo Deutschlands zu werden.

Erst in den frühen Morgenstunden ging im Wald bei Gorleben das Festival zu Ende.

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