Wie ist Ihr Comeback, Almuth Schult?

Nach der Babypause: Interview mit einer der weltbesten Torhüterinnen

bv Lomitz. Sie ist Olympiasiegern, Weltmeisterin, Nationaltorhüterin, eine der weltbesten Torhüterinnen. Alle wichtigen Medien berichten aktuell über Almuth Schult aus Lomitz. Die „Süddeutsche“ etwa schrieb Ende Dezember: „TV-Expertin, Nationaltorhüterin, einzige Mutter der Bundesliga, sportpolitisch aktiv: Wie Almuth Schult in einem Jahr zur bekanntesten deutschen Fußballerin wurde – und zur wichtigsten Stimme für Geschlechtergerechtigkeit im Profibereich.“ Denn Schult ist Mitbegründerin der Frauen-Initiative „Fußball kann mehr“. Bei der Fußball-Europameisterschaft 2021 war sie erneut für die ARD als Expertin tätig, was ihr einhelliges Lob seitens der Kritik einbrachte.

Kein Wunder, dass die Mölders Hagebau-Gruppe Almuth Schult anlässlich ihres 75-jährigen Firmenjubiläums unlängst zur Autogrammstunde bat. Vermittelt hat das Treffen der Hitzackeraner Bauunternehmer Michael Wieczorek: Bekanntlich ist Almuth Schult prominentes „Gesicht“ seiner Stiftung für benachteiligte Kinder. Zu der „sehr erfolgreichen Autogrammstunde wurden wegen Corona gezielt einzelne Nachwuchsgruppen von regionalen Fußballvereinen eingeladen“, wie Marktleiter Peter Rajewski berichtet. Schult signierte von Mölders gestiftete Fußbälle und Trikots, verteilte Autogrammkarten und stand für Selfies zur Verfügung. Als Anerkennung für den ehrenamtlichen Einsatz der Star-Torhüterin spendete die Mölders-Gruppe 3500 Euro an die Stiftung von Michael Wieczorek. Der Unternehmer legte aus eigener Tasche noch 1500 Euro drauf, so dass auf dem Spendenscheck am Ende 5000 Euro prangte.

Kiebitz durfte Almuth Schult, die seit 2013 für den VfL Wolfsburg spielt und in 2020 Mutter von Zwillingen wurde, zwischen den Jahren einige Fragen stellen.

Almuth Schult, wie war das Jahr 2021 nach der Babypause für Sie in sportlicher Hinsicht?

Sehr gut. Wir haben die Champions-League-Gruppenphase überstanden, wir sind bei der Deutschen Meisterschaft gut mit dabei, wir sind beim Pokal weiter: Die Ziele, die wir mit der Mannschaft hatten, haben wir erreicht. Am liebsten wären wir natürlich als Tabellenführer in die Pause gegangen, aber das Spiel gegen Potsdam wurde abgesagt. Natürlich gibt es immer etwas, was man lieber anders gehabt hätte. Ich hätte lieber nicht den Fehlpass in Freiburg gespielt, hätte gerne gegen Turin ein Gegentor mehr verhindert. Aber ich bin sehr zufrieden.

Was wird sich 2022 für Sie ändern?

Grundsätzlich ändert sich nichts – meine Familie ist am wichtigsten, und ich spiele gerne Fußball. Planen ist immer etwas schwierig.

Sie haben die Frauen-Initiative „Fußball kann mehr“ mitgegründet. Mit welchem Ziel?

Wir möchten den Fußball entwickeln in Richtung Geschlechtergerechtigkeit, in Richtung Diversität, mehr fair play. Es gibt erste Anfänge, aber das ist noch ein weiter Weg.

Beim VfL Wolfsburg hofft man, dass Sie ihre Laufbahn fortsetzen. „Wir sind von ihren Qualitäten als eine der weltbesten Torhüterinnen sowie als Führungspersönlichkeit zu 100 Prozent überzeugt“, so Sportchef Ralf Kellermann. Der „Spiegel“ schrieb: „Sie ist eine der besten deutschen Fußballspielerinnen, ist in überragender Form. Trotzdem denkt Almuth Schult über ein baldiges Ende ihrer Laufbahn nach.“ Was wäre Ihnen am liebsten?

Ich habe in verschiedene Bereiche reingeschnuppert. Was ich langfristig machen möchte, dazu habe ich noch keine Entscheidung getroffen. Auf sozialen Netzwerken bin ich nicht vertreten, weshalb ich dort nicht soviel Resonanz auf meine Tätigkeit als TV-Expertin mitbekommen habe. Das ist mir nicht so wichtig. Wichtig ist mir, dass meine Freunde, meine Familie und mein Arbeitgeber mit mir zufrieden sind, und das scheint glücklicherweise so zu sein.

Um die Rolle als Deutschlands Nationaltorhüterin könnte es vor der Frauenfußball-EM in England vom 6. bis 31. Juli noch ein heißes Rennen geben. Merle Frohms (Eintracht Frankfurt) hat den Status inne, Almuth Schult (VfL Wolfsburg) und Ann-Katrin Berger (FC Chelsea) sind die Herausforderinnen. „Natürlich erwarten wir von Almuth und Ann-Katrin, dass sie diese Nummer eins angreifen“, sagte Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg. Wollen Sie wieder Deutschlands Nummer eins werden?

Die Süddeutsche schrieb, dass ich immer versuche, mein Bestes zu geben. Genau so ist es. Ich bin aber noch nicht ganz auf meinem alten Level. Mein Torwarttrainer hat mir bestätigt, dass es an Schnelligkeit und Dynamik noch fehlt. Wenn das wieder da ist, kann man über alles sprechen. Aber ich bin unglaublich zufrieden mit meiner Karriere. Und ich wusste auch, dass es mit zwei Kindern nicht einfach wird, als einzige leibliche Mutter in der Bundesliga.

Zum Schluss eine persönliche Frage: Wie verbringt ihr die Feiertage?

Es ist wirklich schön, dass man jetzt mal zur Ruhe kommt. Ich verbringe viel Zeit mit den Kindern und meinem Mann, das ist sehr entspannt, wir leben in den Tag hinein – was sonst nicht geht. Ich habe natürlich einen Trainingsplan, bin aber sozusagen im Homeoffice.

Redaktion Kiebitz 05841/127 422 vogt@ejz.de

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