Dem Unrat zu Leibe gerückt

Engagierte Sammelaktion im Gebiet der Lenzener Deichrückverlegung

kek Gandow. Ein großes Stück Plastik – hinein in den Sack. Ein Stück Draht – ebenfalls. Eine Plastikflasche – die auch. Und so füllt sich mal wieder ein großer Beutel, den Sonja Biwer aufhält. Der Ort des Geschehens: ein Unterholz irgendwo im Bereich der Deichrückverlegung zwischen Lenzen und Gandow. Dort sind seit dem Vormittag etliche Suchtrupps unterwegs, um das Gelände von den Dingen, die dort nicht hingehören, zu befreien. Der Förderverein Flusslandschaft Elbe Brandenburg hatte zu ­einer Müllsammelaktion in diesem Gebiet am Sonnabend aufgerufen, „und wir hatten derart viele Anmeldungen, dass wir die Teilnehmer auf 50 begrenzen mussten“, berichtete die Schatzmeisterin des Vereins, die nicht nur die großen Sammelsäcke organisiert hat, sondern auch das gesamte Geschehen. Da gab es erst einmal von Jochen Purps, dem wohl besten Kenner dieser Flussregion, einleitende Worte: „In diesem besonderen Naturraum wurden dem Fluss etwa 420 Hektar seiner natürlichen Überschwemmungsflächen zurückgegeben. Dafür wurde ein neuer Deich in weiterer Entfernung zur Elbe erbaut und der Altdeich an sechs Stellen geschlitzt. Durch diese fließt nun das Hochwasser der Elbe und sorgt für die wertvolle auentypische Dynamik. Jedoch spülen die Hochwasser auch Müll an, der insbesondere in dieser ältesten Pflanzung des Gebietes verbleibt. Und dieser Mülleintrag verursacht eine Belastung von Mikroplastik am Boden, die für Tiere, die ihn fressen, schädlich sein kann.“

So schwärmten dann die kleinen und großen Sammler samt Hunden zügig aus, um auf dem Überschwemmungsgelände fündig zu werden. Zu den – mitunter erschreckenden – Fundstücken gehörten unter anderem zwei komplette Kfz-Räder, Plastikkanister und Planen, eine unüberschaubare Anzahl von Flaschen sowie eine große Drahtrolle. Der wohl spektakulärste Fund war ein Personalausweis eines älteren Herrn aus Sachsen-Anhalt, den eine junge Frau, die in Wahrenberg und damit kurioserweise ebenfalls in Sachsen-Anhalt lebt, fand. Ob der 1930 geborene Herr überhaupt noch lebt, ist fraglich, aber der Personalausweis geht natürlich an das Amt Lenzen, so Krista Dziewiaty, die Chefin des Vereines. Beim Ausklang der Aktion bei einer überaus köstlichen veganen Lenzener Burgsuppe gab es dann fröhliche und zufriedene Gesichter. „Das war eine tolle Maßnahme“, meinte Renate Schupp, die aus Hitzacker angereist war. „Zum Ersten wollte ich sowieso einmal hierher. Und heute haben wir zum Zweiten nicht nur etwas Gutes für die Natur getan; die Informationen, die es zu der zu schüt­zenden Auenwildnis da­zu gab, haben es auch zu einem erlebnisreichen Tag gemacht.“

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