Inklusive Taufe von oben

Stürmischer, aber informativer Elbe-Kirchentag bei Lenzen

kek Lenzen. Eigentlich müsste der stattgefundene Elbe-Kirchentag Kirchen-Elbe-Kirchentag heißen, denn der Beginn fand in der Lenzener St.-Katharinenkirche statt; statt eines Spazierganges zur Elbe gab es eine Promenade rund um das Gotteshaus, und auch das Ende der Großveranstaltung wurde dann – nicht wie vorgesehen am Elbufer – sondern in und an der Kirche begangen. Der Grund: die überaus stürmisch-kalten und regnerischen Wetterkapriolen, denen am Elbestrand nur die Unentwegtesten standhielten. Und was die Stände der verschiedenen Einrichtungen, die über die Grenzen der Prig­nitz hinaus gekommen waren, betraf: Dort begann man aufgrund der äußerst unfreundlichen Witterung bereits am Nachmittag mit dem Abbauen. „Es ist einfach zu windig“, war immer wieder zu hören. Und bei dem Stand der Notfallseelsorge wurde gewitzelt: „Taufe von oben“.

Dabei sollte es ja so eine sehenswerte Taufe in der Elbe geben, aber diese fiel buchstäblich ins Wasser. Aber wenigstens war es dann echtes Elbe-Nass, welches dann in der prachtvollen Cumlosener Taufschüssel war – und so konnte dann Pfarrerin Mareike Sabl nach der Andacht und gemeinsamem Singen immerhin im vollbesetzten Festzelt ihres Amtes walten. „Okay“, antwortete die kleine Karla Nicht aus Cumlosen auf die Frage, ob sie getauft werden wolle.

„Grenzenlos: Elbe“ – unter diesem Motto gab es dann im Zelt nur Verbindendes: So war Pfarrerin Ute Eisenack aus Neuruppin gekommen, um mit einer gemeinsamen Erklärung mit Geistlichen aus den anrainenden Bundesländern für „Platt in uns Kirch“ zu werben. „Wir sind zwar eine Minderheit, aber wir sprechen eine gemeinsame Sprache“, meinte dazu der emeritierte Pfarrer Traugott Wrede aus Hermannsburg. Dass die Elbe heute mehr verbindet, als sie vor dem Mauerfall trennte, betonte BUND-Vorsitzender Olaf Bandt am Nachmittag in seiner Rede. Und in der anschließenden Podiumsdiskussion kamen dann auch länderübergreifende Probleme zur Sprache: sinkender Grundwasserspiegel und zunehmende Verlandung an der Elbe, bedrohte Artenvielfalt, seltenere Überschwemmungen und der Klimawandel überhaupt. Was denn Wittenberge gegen Letzteren tun wolle, wurde Bürgermeister Oliver Herrmann gefragt. „Wir haben uns für die LAGA 2026 beworben“, war die Antwort. Konstruktiv dagegen waren die Vorschläge des brandenburgischen Umweltministers Axel Vogel: „Wenn die Elbe niedriger wird, brauchen wir keine Elbvertiefung, sondern kleinere Schiffe!.“ Applaus im Saal. Und dazu: „Wir brauchen Niedrigwasserkonzepte, um das Wasser in der Landschaft zu halten, allein können wir das aber nicht schaffen.“

Bundesumweltministerin Steffi Lemke (Grüne) unterstrich: „Unser Problem ist das Wasser, weil wir es nicht bekommen. Wenn wir jetzt nicht starten, werden wir den Fluss in 30 Jahren nicht mehr erleben.“ Und es gab das Versprechen: „Ich werde eine Wasserstrategie vorlegen, die die Sicherung des Wassers zum Inhalt hat.“

Der in der DDR totgeschwiegene heutige Bestseller-Autor und im Biosphärenreservat Mittelelbe lebende Ernst Paul Dörfler hatte einmal in einem Interview gemahnt: „Ich vermisse die Rufe des Braunkehlchens, das Trällern der Feldlerchen. Die Küken sterben einen leisen Tod und niemand bemerkt diese Tragödie. Nur die Stille auf den Feldern wirkt bedrückend.“ Auf die Frage nach dem Grund dafür antwortete der DDR-Grünen-Mitbegründer: „Die Art des Umgangs mit unserer Erde – mit Monokulturen und Giften, die alles durchdringen, und dem Konsumzwang. Wir alle sind da gefragt, zusammen eine nachhaltige Perspektive für die Elbe durchzusetzen.“

Wie das gehen soll? In seinem Buch „Aufs Land“, welches dort vorgestellt zu werden dem Kirchentag gut angestanden hätte, gibt der Ökologe machbare Lösungen an: mit einem Weg, der aufs Land führt, um mit der Natur ein freies, selbstbestimmtes und gesünderes Leben zu führen. Und das heutige Wetter? „Das sind nur Vorboten. Wenn wir nichts dagegen tun, wird es nur noch schlimmer!“

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