Wenn Strohhalme sich in Caipi-Gläser bohren

Lange Nacht der Schönen Künste: Besuchermagnet trotz verhaltener Temperaturen

os Dannenberg. Petrus hatte ein Einsehen, ohne es den Dannenbergern wirklich leicht zu machen. Die Lange Nacht der schönen Künste blieb größtenteils trocken. Und wer es schaffte, sich vom Sofa aufzuraffen und in die Dannenberger Innenstadt zu wandern, wurde nicht enttäuscht.

Von der Sparkasse bis zur Textilwerkstatt an der Marschtorstraße gab es viel zu sehen, zu probieren und zu hören oder zu kaufen. Denn die Lange Nacht der schönen Künste ist eben auch eine Nacht fast ohne Ladenschluss. Für Wiebke Schulz ist sie die schönste Veranstaltung des Jahres. Sie betreibt das Teehaus am Markt. „Die Nacht ist nicht so überlaufen wie etwa der Kartoffelsonntag, aber dafür im besten Sinne entschleunigt, fast gemütlich“, fand sie. Eher ungemütlich: die Temperaturen. Ursula Fallapp, verantwortlich für das Marketing der Stadt und daher von Berufswegen optimistisch, konnte dem Positives abgewinnen. Die Schauerneigung dürfte ein Grund gewesen sein, dass die Betreiber der geöffneten Ladengeschäfte sich über den Besucherandrang von „eher“ bis „sehr“ zufrieden zeigten. Wie überhaupt das gemeinsame Bummeln durch die autofreie Stadt, das Miteinander in der Stadt, ein wesentlicher Grund für viele Besucher ist, sich auf die schönen Künste einzulassen.

Der gut besuchte Marktplatz bildete mit Bluesrock von Mr. Blueswurst den größten Freiluft-Treffpunkt der Nacht, dicht gefolgt von der Modenschau von der Textilwerkstatt mit Unterstützung von Nya Nordiska, die ab 21 Uhr ein wahrer Magnet für die Besucher war. Ob es an der Up-cycling Mode – also der kreativen Ver- und Wiederverwertung von Reststoffen –, den schicken Schnitten oder den Models lag, ist dabei letztendlich gar nicht entscheidend. Wichtig sei vielmehr die gemeinsame Zeit, die miteinander verbracht werde, meint Gisela Stolte, während sie am späten Abend den Willam‘schen Pizza-Stand auf der anderen Straßenseite aufsucht. Ihr Korb- und Haushaltswarengeschäft an der Langen Straße gab dem Cello-Ensemble Raum für seine Kunst. „Das Umfeld, das Ungewöhnliche – das macht halt echt Spaß“, fand auch Felix Hennig. Er ist vor einigen Jahren aus Hamburg zugezogen und betreibt an der Langen Straße den „Coronatest Wendland“. Statt Testhalme in die Nase bohrten sich in dieser Nacht Strohhalme in Caipi-Gläser – und der Betreiber versorgte die Besucher mit Rhythmus und Cocktails.

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